In Memoriam an Kurt Jörg

06.11.1932 - 16.10.2011

Am Sonntag, 16. Oktober 2011 ist unser Vizepräsident Kurt Jörg, genau drei Wochen vor seinem 79. Geburtstag, an seinem Krebsleiden im Spital Liestal gestorben. Wir, der Vorstand, das Katzenasyl-Team und der engste Kreis derer, mit denen wir in permanentem Kontakt stehen, sind sehr betroffen. Kurt hinterlässt eine sehr grosse Lücke in unserer Mitte, auch wenn er in letzter Zeit, infolge seiner Krankheit, nur noch bedingt für die Katzenhilfe arbeiten konnte.


Hier ein Nachruf aus meiner Sicht


Als Kurt sich im Herbst 2004 als ehrenamtlicher Helfer im Asyl meldete, war ich sehr skeptisch, ob er überhaupt geeignet ist und ob er sich bewusst ist, was das für anstrengende Arbeit ist. Nach langem Zögern und seinem Nachhaken, ging ich dann im Frühjahr 2005 doch auf sein Angebot ein.

Ich war sehr überrascht ob seiner Rüstigkeit und seiner Fitness.

Kurt war fort an jede Woche zwischen drei und fünf Tagen im Asyl und wusch hauptsächlich Katzenklos, damals bis zu 50 Stück pro Tag. Wenn’s ihm mit dem „Nachschub“ zu langsam ging, scheute er sich nicht zu sagen: „Macht mal vorwärts, mir geht die Arbeit aus!“ Oder auch umgekehrt, wenn es schneller ging als er Klos waschen konnte: „Jetzt wollte ich gerade eine Pause machen!“ konnte er „wettern“

was er natürlich beides humorvoll meinte...!

Wenn Kurt kam, brachte er jedes Mal ein Znüni für alle mit (damals zwei Angestellte und meine Wenigkeit), kurz und gut: Wir hatten ein super Verhältnis!


Irgendwann kam ich mit ihm einmal auf meine desolate Buchhaltung zu sprechen und dass ich da einige Sachen nicht auf die Reihe bekomme, vor allem die Abschlüsse, die bekanntlich ein grosses Fachwissen erfordern. Aus seinen Antworten merkte ich schnell, dass er sich da auskennt, so kamen wir auf seine berufliche Vergangenheit zu sprechen. Ich erfuhr, dass er pensionierter Chefbuchhalter, mit Schwergewicht Liegenschaftsverwaltung, bei einer grossen Versicherungsgesellschaft und in einem grossen Baugeschäft war.

Er schaute sich meine Buchhaltung an, resp. das was mir meine damalige „Buchhalterin“ als solche ablieferte...! Ihm als Fachmann standen die Haare zu Berge, und er machte sich ans Werk, Ordnung zu schaffen. Mit dem Katzenklos-Waschen war dann natürlich nichts mehr. Nach und nach hat er, zusammen mit Pia Berger, mein Büro total auf den Kopf gestellt. Zum ersten Mal, seit Bestehen des Katzenasyls hatte ich einen wahren Fachmann an der Hand! AHV- und Pensionskassen - Abrechnungen für das Personal wurden gemacht, korrekte Steuererklärungen wurden erstellt usw. Die Ersparnisse, die ich dadurch machte, gehen in die Zehntausende, die ich, resp. die Katzenhilfe, Kurt verdanken!


Leider haben sich in seinem Privatleben Ereignisse ergeben, die darin gipfelten, dass er mit seinen damals über 76 Jahren noch zu einem Wohnungswechsel gezwungen war. Diese Begebenheiten machten ihm sehr zu schaffen, ich denke, er hat sich davon nie ganz erholt. Es gab seither Wochen und Monate, wo er uns nur noch bedingt zu Verfügung stand, so sehr stand er unter Druck. Doch Kurt war ein Kämpfer, er gab nie auf, jeder Andere hätte unter seinen Umständen das Handtuch geworfen und wäre nicht mehr für unseren Verein und das Katzenasyl zur Verfügung gestanden!

Kurt, wir alle danken Dir dafür!


Als sich die Geschichte mit meiner schwangeren Angestellten ereignete, war er es, der damals mit der Anwältin in Kontakt trat und so dem Spuk ein Ende bereitet hat, der die weitere Existenz des Katzenasyls bedrohte.

Auch dafür danke ich Kurt im Nachhinein nochmals.


Auch privat hatten wir ein super Verhältnis.


Wie konnte er doch ins Schwärmen kommen, wenn er von seinem ersten Auto gesprochen hat. Wie er damals durch die Schöllenenschlucht gekurvt ist, als er noch in Göschenen gearbeitet hat.

Oder wenn er von seinen Reisen durch Skandinavien und Südamerika erzählte, teils mit den Auto, teils per Schiff und dazu seine Fotoalben hervor holte. Sein Wunsch, nochmals Südargentinien zu bereisen, ging nun leider nicht mehr in Erfüllung. Er träumte davon, bis nach Feuerland hinunter zu fahren.


Für den Tag der offenen Tür im Jahr 2008 machte er sich ebenfalls sehr verdient. Die Vorbereitungen waren gewaltig, das kann eine aussenstehende Person gar nicht ermessen.

Kurt war von der ersten Minute an mit dabei und hat massgeblich zum guten Gelingen beigetragen. Am Event selbst stand er abwechslungsweise am Grill und hat das „Park and Ride-Büssli“ gefahren.


An der 50. Geburtstagsfeier von Pia Berger staunten wir alle nicht schlecht: Kurt „kurvte“ in einem Original-Schottenrock herum und bediente die Gäste. Es fehlte nur der Dudelsack (grins)! Den Kilt hat er damals, von seiner Reise nach Schottland, mitgebracht. Kurt war halt immer für eine Überraschung zu haben!


Einmal, im Spätherbst, tel. mir Kurt und fragte mich, ob ich ihm einen schweren Futternapf aus Metall oder Ton hätte. „Kann sein, ich muss mal schauen, aber für was brauchst du den?“ antwortete ich. „Ach, weisst du, ich habe jeden Abend Besuch von einem hungrigen Fuchs. Nun füttere ich ihn, aber dann schleppt er mir jedes Mal den Futternapf weg, ich muss den Napf jeden Morgen suchen gehen!“

Ich war sehr erstaunt, dann erzählte er mir die ganze Geschichte.

Kurt war aufgefallen, dass jeden Abend ein Tier ums Haus strich und seine Katzen aufgeregt aus dem Fester ins Dunkle starrten. Er vermutete, es sei eine verwilderte Katze, die Futter sucht, also stellte er etwas zum Essen hinaus. Am anderen Morgen war nicht nur das Futter leer, sogar der Napf war weg. Irritiert suchte er danach und fand ihn ca. 40 – 50 Meter vom Haus entfernt; und das wiederholte sich jede Nacht. Er erhöhte die Futtermenge und wunderte sich über den „gesunden Appetit“ der vermeintlichen Katze. Es wurde jede Nacht aufgegessen. Eines Abends, offenbar war er ein wenig später dran, waren seine Katzen noch aufgeregter als sonst. Als er nachschaute, traute er seinen Augen nicht, ein Fuchs schaute durch die Glastüre herein. Nun endlich wusste er, wer sein „unhöflicher Gast“ ist, der das Essen samt Teller nimmt...! Der Fuchs wurde zwar nie zahm (und das ist gut so), aber er wurde mutiger, sodass Kurt ihn genauer sehen konnte, er war recht mager. Ab sofort verdoppelte er die Futtermenge und kochte sogar für ihn, u.a. gab’s Hörnli mit Hackfleisch.

Ein paar Tage vor Kurts Tod fragte ich ihn noch, ob er den Fuchs immer noch füttere.

„Ach nein, im Frühling habe ich damit aufgehört, da hat er sicher wieder selbst genug Nahrung jagen können! ... aber er kommt alle paar Tage zu Besuch!“

Sinnigerweise:  Kurt wohnte auf dem „Fuchshof“...!!!

Kurt war halt nicht „nur“ ein Katzenfreund, er liebte alle Tiere!!!


Wir hatten allerdings nicht immer eitel Sonnenschein. Wenn zwei so „Dickschädel“ wie Kurt und ich zusammen kommen, können schon mal die Fetzen fliegen...!

Zündstoff gab z.B. die Auslaufsanierung. Als wir einmal ein paar Franken mehr als sonst zur Verfügung hatten, wollte Kurt, dass wir die Sanierung durch Handwerker machen lassen, damit es schneller geht und die Katzen schneller wieder hinaus können. Ich selbst, permanent unter Stress und so gut wie keine Helfer zur Seite, wollte es aber im Alleingang selbst fertig machen, um Geld zu sparen. Mein damaliges Argument war, dass das Geld nicht ausreichen würde, die Auslaufsanierung durch Handwerker machen zu lassen. Ich konnte mich damals durchsetzen und habe es geschafft, die Ausläufe auf der Bergseite des Hauses nahezu alleine fertig zu stellen. Als Kurt dann die Sanierung gesehen hat, war er höchst erfreut und ich denke, er hat auch eingesehen, dass ich Recht hatte, auch wenn er es nicht ausgesprochen hat.

Anyway, er stand trotzdem jederzeit hinter der Katzenhilfe und dem Katzenasyl, wofür ich ihm zu ewigem Dank verpflichtet bin!


Ich werde Kurt in ehrender Erinnerung behalten und bitte an dieser Stelle alle Freunde und GönnerInnen der Katzenhilfe NWS / des Katzenasyls „Zur letzten Zuflucht“, es mir gleich zu tun.


Günther Weber, im Oktober 2011

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